«Nemesis, wie `s chunnt»
Konzert vom Samstag, 19. Februar 2022, 20h,
bei H. Pestalozzi im Rietmann’schen Haus,
Herrengasse 30, 8213 Neunkirch

Kurze Bemerkung zum Titel:
D’ Nemesis isch e griechischi Schicksalsgöttin, d’ Göttin vom gerächte Zorn und vo der uusgliichende Gerächtigkeit, wo der menschliche Überheblichkeit klari Gränze setzt. `S Thema «Nemesis» isch in der hütige Wält überall meh oder weniger sichtbar presänt, und di meischte Lüt wüsse das, aber leider «nemesis» nit gnueg ärnscht.
Und mini Lieder: teilwiis «nemesi’s» Thema «Nemesis» diräkt uf, teilwiis nur ganz subtil und teilwiis so subtil, dass me`s gar nit merkt.

Nemesis – Trigger -Warnung
Wenn man/frau einmal davon absieht, dass Nemesis der Name einer griechischen Schicksalsgöttin ist, lässt die Aufforderung «Nemesis, wie `s chunnt» als Konzerttitel, einen gewissen Verdacht im Raum stehen, dass der Autor des Konzerts die Absicht haben könnte, sich für das, was da kommt, gewissermassen aus der Verantwortung zu stehlen. Dabei wäre der Konzertierende mit dem Herausschleichen aus der Verantwortung im heutigen globalen Umfeld natürlich keineswegs allein. Was die Klimakrise betrifft, so haben sich in der Abstimmung vom 13. Juni dieses Jahres über das Co2-Gesetz ganze 51,6 % der Stimmenden aus ihrer klimapolitischen Verantwortung verabschiedet. Angesichts dieser allgemeinen Zerbröselung von Verantwortung will ich wenigstens für meine Lieder die volle Verantwortung übernehmen, was sich in rechtlicher Hinsicht allerdings als ein äusserst kühnes Unterfangen erweisen könnte. Bei Liedern mit besonderer Spätfolgengefahr werde ich deshalb rechtzeitig eine entsprechende Trigger-Warnung vorausschicken. So besteht z.B. beim Lied über den selbstoptimierungssüchtigen «Herrn Bitterli» die nicht zu unterschätzende Gefahr der Nachahmungstäterschaft, beim Lied «das Lehm» sind wir alle bereits jetzt «Nachahmungstäter». Beim Lied «Sing sing Syngenta» besteht die Gefahr, ins Visier des aggressiven «Aggro-Business» zu geraten, und beim Lied «Briefkastenbrand» ist leider wiederum mit einer gewissen Nachahmungsgefahr zu rechnen, ganz zu schweigen vom Risiko weitreichender intergalaktischer Turbulenzen im Falle einer experimentellen Nachrekonstruktion meines Liedes «Äntli-Unäntli»

Im Bewusstsein solcher Gefahren werde ich, soweit es in meiner bescheidenen Macht steht, alles daransetzen, dass meine Lieder, wenn immer möglich, nur diejenigen Spätfolgen nach sich ziehen werden, die wir uns alle wünschen.

…ein demutsvoll-abgründiger Genuss…
Im Verbreitungsgebiet unseres erdverschleissenden «Mehr-Besser-Schneller-Seinsmodus» lauert das Thema «Nemesis» bald einmal in allen Ritzen der bröckelnden Realität. Nemesis ist bekanntlich die griechische Göttin des gerechten Zorns, der Vergeltung und der ausgleichenden Gerechtigkeit. Wie uns nur allzu bewusst ist, taumelt derzeit die aus den Fugen geratene Wegwerfökonomie scheinbar unaufhaltsam dem Abgrund einer verheerenden Ökonemesis entgegen.
Vordergründig scheint es zwar bequemesis, die Schieflage nicht ernst zu «nemesis» und so weiterzuwursteln wie «ehedemesis». Doch die Nemesis wird mehr sein als ein blosser globaler «Zemeschiss». Schon jetzt macht sie sich ansatzweise bemerkbar mit zunehmend grossflächig blockierender Software-«Problemesis», mit «Überschwemesis», «Hitze-Extremesis», «Pandemesis», und allgemeiner «Beschämesis».
Auch in meinem Liederprogramm lauert das Nemesis-Thema immer wieder – sichtbar oder unsichtbar - im Hintergrund. Ich hüte mich jedoch davor, dieses knochenharte Thema dauernd direkt anzusprechen, so etwas wäre schlicht unerträglich. Zudem soll ein Konzert ja nicht nur knapp aushaltbar, sondern in jeder Hinsicht auch mit einem Genuss verbunden sein. Im Falle meines Konzertes vom 19. Februar 2022 mit einem demutsvoll-abgründigen Genuss im Angesicht der startbereiten Nemesis. In der kühnen Hoffnung, dass wir sie vielleicht doch noch besänftigen und zur Änderung ihres schauerlichen Programms bewegen können.

In diesem Sinne ganz herzliche Grüsse von Fussabdruck zu Fussabdruck…


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